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Preisdumping Deluxe


  1. Vor zwei Wochen habe ich auf einen großen Fotoauftrag geboten.

    30 Objekte in ganz Europa fotografieren. Außenaufnahmen und Innenaufnahmen (3-4 pro Location). Kunde wollte einen Gesamtpreis. Nutzung für Broschüren, Messeauftritte, Internet.

    Heute kam der Anruf. Absage.
    Grund: Ich bin über 200% teurer als die Konkurrenz.

    Der Kollege, der den Zuschlag bekommen hat, schießt den Job für 10.000 EUR all-in. Das heißt inkl. Honorar, Schlechtwetter-Tage, Postproduktion, Reisekosten und Nutzungsrechten. Die Angebote der übrigen angefragten Kollegen waren ähnlich niedrig.

    Nach meiner Rechnung machen alleine die Reisekosten knapp 7.000 EUR aus.

    Und das beste zum Schluß. Der Projektverantwortliche des Unternehmens sagte am Ende des Telefonats: Keine Ahnung, wie der Fotograf da noch Gewinn macht.

    Wo geht die Branche hin? Hilfe!

    vor 1 year veröffentlicht #
  2. Hi,
    das ist natürlich hart, ich kann verstehen dass du enttäuscht bist.
    Die Zeiten werden immer übler.

    Vielleicht kann man an den Reisekosten noch ein bisschen was sparen, dann sind das vielleicht 3,5 k € Ertrag nach Abzug der Ausgaben. 30 Objekte in ganz Europa? Mit anschließender Post?
    Das könnten 1,5 - 2 Monate Arbeit sein....und dafür dreieinhalb tausend Euro vor eigenen Betriebskosten/Steuern/Sozialabgaben? Davon kann man nicht leben - das ist betriebswirtschaftlich völliger Bullshit.

    Allerdings liegt meiner Meinung nach hier das Problem beim Kunden selber - er geht hier definitiv ein Risiko ein. Selbst ihm ist aufgefallen, dass die Kalku deines Mitbewerbers nicht korrekt sein kann - was z.B. bedeuten kann, dass der Kollege zeitlich super-eng kalkuliert und dann eben auch Pfusch bei rauskommen kann. Es ist ein Ding, günstig einzukaufen - aber doch nur, wenn man auch sicher sein kann, dass das Ergebnis den Erwartungen und Anforderungen gerecht wird.

    Ich habe schon Aufträge nicht bekommen, weil ich zu billig war und man mir dadurch den Job nicht zugetraut hat. Frei dem Motto "Für das Geld kann da nix gescheites kommen". Aber das ist schon ein paar Jahre her... Man gewinnt mit der Zeit nicht nur an fotografischer, sondern vor allem auch an "kalkulatorischer" Erfahrung.

    Vielleicht kommt der Job ja etwas später - wenn dein Kunde nach dem sichten der Ergebnisse des Mitbewerbers feststellt, dass die Bilder seinen Erwartungen nicht gerecht werden.

    Kopf hoch - vielleicht kommt ja jetzt ein lukrativerer Job rein, den du sonst hättest ablehnen müssen.

    Sommerliche Grüße
    Olaf

    vor 1 year veröffentlicht #
  3. Bei so einer absurden Kalkulation spricht auch das Finanzamt gern' von "steuerrechtl. Liebhaberei".

    vor 1 year veröffentlicht #
  4. Unter
    http://www.fotografr.de/foto-business/auftragskalkulation-fur-fotografen/

    wird aktuell auch wieder über Tagessätze für Fotografen diskutiert.
    200 Euro Tagessatz seien doch nicht zu verachten, schreibt einer der Diskussionsteilnehmer.

    Ich wundere mich da immer nur: Wie schaffen die das, mit einem solchen Tagessatz als Selbständiger (mit den entsprechenden Ausgaben für Versicherungen etc.) auszukommen?

    vor 1 year veröffentlicht #
  5. cbp

    Ich hoffe die Sache dünnt sich auf diese kurzsichtige Art und Weise vieler Leute von selbst aus.

    vor 1 year veröffentlicht #
  6. ava

    zitat: die zeiten werden immer übler.

    geiz ist geil !

    wer meint, mit 200 € tagessatz oder gar 3500 für 2 monate als selbständiger klarzukommen, arbeitet auf sozialhilfeniveau.

    mein problem war weniger, dass die kunden nicht meine stundensätze (höhenmässig identisch mit dem heizungsbauer/ der kfz-werkstatt, die sind real gewesen bei meiner kostenstruktur) nicht zahlen wollten, sondern, dass hier in der provinz viele potentielle kunden gar nicht mehr die notwendigkeit sahen, einen profi heranzuziehen, z.b.:

    1. parteien unterhalb bundestagswahl "machen die fotos selbst, müssen sparen" - man sieht es !

    2. versicherungsgesellschaft vor ort "macht die werbeabteilung" = irgendein p-r ausgebildeter theoretiker - man sieht es !

    3. lebensmittelkonzern vor ort, mitarbeiterfotos werden da vermutlich vom pförtner, der eine digicam besitzt in jpg "geschossen" - man sieht es !
    die a1 poster und leuchtkästen von obst und gemüse stammen aus 1€- mikrostocks, auch das sieht man !

    4. könnte ich bis punkt 100 fortsetzen !

    auf der anderen seite waren kleinbetriebe durchaus bereit, für qualität zu zahlen, nur leider nicht in genügender anzahl für mich, d.h. z.b. die kleine ergotherapiepraxis hat jetzt bessere mitarbeiterfotos als der versicherungs- oder lebensmittelkonzern....irgendwie pervers.

    das problem ist meiner meinung nach eher, dass die kunden den unterschied von qualität und pfusch nicht mehr sehen, in der bild-überschwemmten zeit. für leistungen, die direkte folgen bringen wie kfz-werkstatt wird gezahlt, fotografie kann jeder in unserer high-tech zeit.

    ich bin weder eine schlechte fotografin noch eine schlechte aquisiteurin, aber trotzdem habe ich meinen beruf nach 2 jahren neuer selbständigkeit jetzt wieder aufgegeben und lebe derweil wieder von artfremder arbeit. weil, ich werde nicht für dumping fotografieren. statt dessen werde ich nach wie vor lästern, wenn ich diese grottenschlechten wahlplakate sehe. und werde nach wie vor bemäkeln, dass die a1 leuchtkästen des lebensmittelkonzerns zwar fein glycerintropfende tomaten haben, die aber leider etwas leuchtisch-überstrahlt sind....und ich hoffe, irgendwann werden sich meine haare nicht mehr sträuben, wenn ich die startseite meiner internet-bank öffne (mikrostock-fotos übelster sorte) ...

    schwanengesang... aber eines steht fest, dumping ist keine lösung.

    vor 1 year veröffentlicht #
  7. Ja es sind schon schlimme Zeiten,aber man darf oder sollte deswegen nicht nachgeben.Wenn man nachgibt und es kommen wieder bessere Zeiten hast Du dann auch Pech,die Preise werden dann dort bleiben.
    Wenn ich lese 200 Euro pro Tag wären genug,dann frage ich mich wer könnte dahinter stecken.Vielleicht ein Obdachloser der gerade mal mit einem womöglich geklauten Handy "fotografiert" ,jeder normale Mensch weis das man auch Abgaben bezahlen muss Finanz und Versicherung Miete Strom ect. und selber braucht man ja auch ein paar Taler um zu Überleben.
    Ja man merkt Deutschland ist vom Saturn und Media Markt sehr angegriffen "Geit ist Geil" und "ich bin doch nicht Blödmann" nimmt hier sehr ernst.An sich wollte ich mich hier in Deutschland Selbständig machen,aber ich denke inzwischen etwas anders darüber.Schade eigentlich denn ich bin gerne in diesem Land,aber für ein solches denken habe ich einfach kein Verständnis.
    liebe grüße
    Dietmar

    vor 11 months veröffentlicht #
  8. Firmen, die solche Fotografen dann auch noch buchen, wenn sie davon überzeugt sind, dass der nicht mit Gewinn arbeitet, sollten sich selbst mal überlegen, ob Kosten sparen nicht vielleicht manchmal der falsche Weg ist.

    Mir wurde mal erzählt, dass in Österreich oder der Schweiz (weiss ich jetzt nicht mehr so genau) bei Ausschreibungen so verfahren wird, dass aus allen eingegangenen Angeboten ein Mittel errechnet wir und der Bieter, der diesem Mittel am nähesten kommt, bekommt den Auftrag. Dieses Verfahren finde ich für beide Seiten einigermassen fair.

    vor 11 months veröffentlicht #
  9. Hallo Doug ...

    also in Österreich ist mir sowas neu,bei uns wird wegen dem Marktpreis heftig unter den Fotografen gestritten.Das man nicht nur sein eigenes Grab damit schaufelt,sondern auch die anderen Kollegen damit an den Ruin treibt scheint keinem zu stören.
    Wenn Dummheit strafbar wäre,dann wären die meisten Selbständigen im Knast.Ich habe eine Zeit lang als Freelancer bei einem bekannten Fotografen in Graz ab und an gearbeitet,da habe ich ja selber so einiges mitbekommen.Da werden auf Teufel komm raus Preise zusammen geflickt,wo man dann nicht mal mehr die Unkosten decken kann.
    Bin mal neugierig wie sich der Markt jetzt in den nächsten Monaten weiter entwickelt,so kann es auf jedenfall nicht weiter gehen.

    liebe grüße
    Dietmar

    vor 11 months veröffentlicht #

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